Unverhofft kommt oft: Als bimedialer Reporter unterwegs

Von Thomas Thonfeld (2.4.2018)

Draußen bei der Demo. Hunderte, tausende Menschen. Überall Plakate, Transparente, Parolen. Ich mache O-Töne für dpa, setze Audiobeiträge ab, drehe Videosequenzen, wie die Demonstranten an mir vorbeiziehen. Verschiedene Einstellungen, unterschiedliche Perspektiven. Immer nah dran. Mittendrin. Tolle Szenen!

Plötzlich Durchsagen der Polizei, Mannschaftswagen mit Blaulicht fahren auf: „Bitte räumen sie den Platz“. Sofort ist mir klar: Mein sorgfältig gezimmerter Ablaufplan für Audio- und Video-Stücke geht nicht mehr auf. Alles ist anders als gedacht. Prompt klingelt das Handy. Die Redaktion ist dran und will Futter für’s Programm und die Nachrichten.

Ich gehe kurz in mich: Was tue ich zuerst? Wie mache ich‘s am klügsten? Wo kann ich Arbeitsschritte zusammenfassen? Kurz sortieren. Prioritäten setzen. Und dann los! Nichts macht mehr Spaß! Dafür bin ich Reporter!

Klar, dass es manchmal Reibungen gibt. Was sich die Redaktion ausgedacht hat und was tatsächlich am Ort des Geschehens passiert, sind oft zweierlei. Die Redaktion hat ihren Sendeplan im Blick. Und die Wirklichkeit? Hält die sich an Pläne? Hier ist es klug, vorab einige Dinge zu klären. Mit Dir selbst, aber auch mit der Redaktion.

Dir als Reporter helfen diese Guidelines:

  • Du bist der Reporter. Der Reporter schürft das Gold! Routine-Aufgaben lass´ die Redaktion erledigen!
  • Mach´ Dir einen Plan! Und wirf´ ihn über Bord, sobald die Wirklichkeit einen eigenen hat!
  • Denke in Chancen! Jede Situation ist gut! Je mehr Dinge anders laufen draußen als geplant, desto besser!

Und ganz praktisch: Deaktiviere die Mobilfunkverbindung, wenn Du drehst! Wäre doch zu dumm, wenn mitten in der Aufnahme ein Anruf reinkommt…

Workshop zum Thema

Thema: Reporter-Training Audio/Video
Trainer: Thomas Thonfeld
Ort & Termin: Düsseldorf, 7.5.2018, 9.30-17.30 Uhr
Alle Infos zum Workshop hier

Nichts los auf dem Planeten! Weiter mit Musik!

Von Norbert Linke, 14.2.2018 (Update)

...sagte die mutige junge News-Kollegin von PLANET RADIO kurzerhand on-Air. Und die Nachrichten - waren ausgefallen! Es gab doch nichts Neues zu berichten!

Radikal? Sicher! Aber auch konsequent, für´s Tagesgeschäft aber eher keine tragfähige Lösung...

Ob tatsächlich so geschehen oder einfach nur gut erzählt - auf den Fluren von HIT RADIO FFH kann man diese Geschichte von Kollegen hören, die schon lange dabei sind, aus den frühen Jahren von PLANET RADIO, dem jungen Format der FFH-Sender-Familie (Sender-Claim seinerzeit: "Eure Eltern werden kotzen").

Nachrichten-RedakteurInnen beklagen oft, es passiere gerade überhaupt nichts: "Was, um Himmels willen, soll ich nächste Stunde senden?" Dabei sind Themenflauten kein wirkliches Problem. Drei Überlegungen:

  1. Es sind "hausgemachte" und unausgesprochene Erwartungen an uns selbst, die uns in die Quere kommen. Uns treibt der Wunsch an, es zu beweisen, uns selbst, den Kollegen (und dem Chef): Wir sind echte Professionals, die es einfach drauf haben, jede Stunde eine komplett neue Sendung aus dem Hut zu zaubern. Der Hörer aber möchte "nur" gut und zuverlässig den Stand-der-Dinge erfahren. Nicht mehr und nicht weniger;
  2. Wir haben immer mindestens einen Hörer, der unsere "Runde" zum ersten Mal hört. Denken wir neu und fokussieren diesen einen Hörer, dann gibt das unserer Performance genau die Strahlkraft, die auch Hörer überzeugt, die unsere Meldungen schon kennen. Glauben wir an unser Produkt, glaubt uns auch der Hörer. Distanzieren wir uns innerlich, spürt das der Hörer ebenso;
  3. Wenn nichts Neues passiert - umso besser! Dann packen wir den Werkzeugkoffer aus und zaubern aus dem, was gerade "Lage" ist: Wir schreiben um, drehen die Perspektive und suchen neue Zugänge. Wir leuchten die Geschichte(n) aus - aus verschiedenen Richtungen.

Mithilfe einer Handvoll verblüffend wirkungsvoller Techniken, die wir beispielsweise hier trainieren können, texten wir rasch ein Dutzend (!) neuer Fassungen. Die nicht bloß homöopathisch dosierte Retuschen sind, sondern grundlegend neu aufgestellte Meldungen. Mit vor allem einem neuem Einstieg: Denn als "neu" wahrgenommen wird vom Hörer, was "neu" beginnt. Daraus lassen sich drei Empfehlungen ableiten:

  1. Steige über einen anderen Player ein. Die meisten Geschichten haben mehrere "Spieler". Schau also nach den Beteiligten und zäume die Story reihum über die verschiedenen Akteure bzw. Betroffenen auf!
  2. Nutze eine andere Leadsatz-Technik! Mehr als ein halbes Dutzend Lead-Optionen gibt es. Schon mal "Andocken" probiert, den "Dreiklang" versucht oder einen situativen Einstieg?
  3. Drehe die Story über eine andere Dimension! 5 (!) Dimensionen mindestens sind möglich. Also z.B. über die Folgen einer Geschichte. Darüber, wer jetzt aktiv werden muss. Was der nächste Schritt sein wird ("what´s next?").

Frage vor allem: Was hat die Geschichte mit dem HÖRER zu tun? Verändert sein Leben, wovon wir berichten? Zum Guten? Inwiefern? Und: Platziere den Hörer gleich im ersten Satz ("viele Menschen bei uns hier in der Region...").

Der Benefit: Deine Story wird sofort ganz anders wahrgenommen. Als Story von-hier-für-hier! Als "neu" und überraschend! Was erwarten Hörer mehr?

Workshop zum Thema

Thema: Nichts los? Perfekt! Nachrichten schreiben bei Themenflaute
Trainer: Norbert Linke
Ort & Termin: Düsseldorf, 16.3.2018, 9.30-17.30 Uhr
Alle Infos zum Workshop hier

Bitch. Bitcoin. Bachelor... BÄHM!

Von Dirk Haberkorn, 15.1.2018

Du moderierst? Und brauchst einen Gag? Der tagesaktuell ist? Ab an die Arbeit!

Viel ist derzeit die Rede vom „Bitcoin“. Was lässt sich daraus machen? Von geschätzt einem Dutzend gängiger Methoden, einen Gag zu kreieren, also eine Punchline, entscheiden wir uns für die Methode „Ähnlichkeitswettbewerb“. Geht so:

Welche Wörter klingen ähnlich wie „Bit“? Zum Beispiel „Schritt“, „Tritt“, „Shit“. Nicht schlecht, aber auch zusammen mit „Coin“? Wie wäre es mit "Bitch"? "Bitch-Coin"? Ja, nehmen wir!

Jetzt muss das Ganze noch in einen Kontext. Wo gibt´s Bitches? Klar, im Rotlicht-Gewerbe. Die erste Idee dazu: „Mit was zahlt man im Puff? Mit Bitchcoins“. Noch recht zotig und nicht wirklich nah an der Erlebniswelt unserer Hörer (hoffentlich). Wo sind also die Bitches noch? Na, wo wohl, wenn nicht in "Der Bachelor"? Yes! 

Also kurz mal das Klischee-Hämmerchen rausholen und das RTL-Format abklopfen: Werden da nicht Rosen verteilt? Wir sind am Ziel, das ist die Punchline: „Womit zahlt der Bachelor eigentlich die Rosen? Mit Bitch-Coins!“. BÄHM! Fertig!

Wir haben einen schönen Modgag gebastelt (auch für Onliner als Meme geeignet, oder für Comedyautoren als Gag in einer Serie), zwei top-aktuelle Themen gemixt, Bachelor-Fans angesprochen, durch den lästerhaften Unterton aber auch Nicht-Fans mitgenommen und mit dem Bitcoin das Ganze extrem aktuell angelegt.

Besser geht nicht. Oder?

Workshop zum Thema

Thema: Pointe. Punchline. Und Punkt.
Trainer: Dirk Haberkorn & Boris Meinzer
Ort & Termin: Düsseldorf, 7.11.2018, 9.30-17.30 Uhr
Alle Infos zum Workshop hier